[HBF] Laeuterproblem

Hubert Hanghofer hhanghof at netbeer.co.at
Mon Mai 28 22:54:06 CEST 2001


Liebe Braugemeinde,

Jörg schrieb am Dienstag, 22. Mai 2001 09:56:
> ich habe ein kleines Läuterproblem:
> Ich läutere üblicherweise eine 10 kg-Schüttung, die
> Mengenverhältnisse sind also in etwa wie in Huberts Buch (Rezeptteil).
> Meine Läutertonne ist ein umfunktioniertes Keg-Fass, ausgestattet mit
> einem Senkboden. Das ganze funktioniert auch ganz wunderbar, nur:
> Ca. in der Mitte des Läutervorgangs sind in der vorher klaren Würze
> auf einmal Trubbestandteile enthalten. Rezirkuliere ich dann ein paar
> Liter, läuft die Würze wieder klar. Die Temperatur im Läuterbottich
> dürfte etwa bei 74°C liegen, das Anschwänzwasser hat eine Temperatur
> von 78°C. Woher könnte das plötzliche Trubaufkommen kommen und wie
> könnte ich es vermeiden? Liegt es an einem Temperaturanstieg im
> Treberkuchen, bedingt durch das heißere Anschwänzwasser? Oder werden
> wegen der sinkenden Zuckerkonzentration auf einmal Trubbestandteile
> leichter ausgewaschen?

Am Temperaturanstieg kann es nach meinen Erfahrungen nicht liegen, ich habe 
manchmal größere Differenzen. Häufig ist eine kurzzeitige Eintrübung zu 
beobachten, wenn das Anschwänzwasser durchkommt - oft auch zu erkennen am 
gleichzeitigen Auftreten von Schlieren (Phasen unterschiedlicher 
Konzentration mit unterschiedlichem Brechungsindex) - könnte dies in Deinem 
Fall mit "Mitte des Läutervorganges" zusammenfallen?

Wie hoch ist der Treberkuchen? - Ich kann bis runter zu 12cm problemlos 
läutern, normaler(idealer)weise wird ein Läuterbottich aber auf über 25cm 
ausgelegt.

Weiters sollte die Einhaltung folgender Regeln beachtet / überprüft werden:

1.) Läuterruhe: Treber 15 Minuten sedimentieren lassen.
2.) Am Beginn des Läuterns Vorderwürze mehrmals ruckartig vorschießen lassen. 
- Trubbestandteile sammeln sich zwangsläufig unter dem Senkboden. Wenn man 
ein paarmal voll aufdreht und wieder stoppt (Läuterschlauch mit Fingern 
ruckartig abdrücken und wieder freigeben) werden diese Trubbestandteile 
aufgewirbelt und ausgetragen (sonst würden sie irgendwann später 
rausgewaschen).
3.) Man kann mit 10mm / Minute (Absenkung Flüssigspiegel im Läuterbottich) zu 
läutern beginnen, sollte aber während der Nachgüsse auf 5-10mm / Minute 
runtergehen (Je geringer der Konzentrationsgradient, desto geringer sollte 
die Fließgeschwindigkeit sein).
4.) Abrupte Änderungen der Fließgeschwindigkeit WÄHREND des Läuterns 
verursachen meist ein Mitreissen von Partikeln.
5.) Nachguß-Spiegel immer ÜBER dem Trebernbett halten. Portionsweises 
Aufbringen des Nachgusses (ich nehme bei 10kg Schüttung 6L Portionen) ist 
kein Problem, wenn vorsichtig überschichtet wird (Lochsieb o.ä.).

Auf diese Weise erhalte ich auch beim Brauen mit 15P Stammwürze (reduzierter 
Nachguß) über 70% Sudhausausbeute. Das entspricht in etwa der 
Mindestanforderung, die bei Abnahmeversuchen von Gasthausbrauereien gestellt 
werden.

Allzeit gut Sud!

Hubert Hanghofer

www.netbeer.co.at