[HBF] Sahti

Thomas Rohner t.rohner at bluewin.ch
Die Feb 17 09:27:02 CET 2004


Hallo Jonathan
ich war schon zweimal in Finnland, konnte aber kein Sahti auftreiben.
In Finnisch Lappland ist das scheinbar unbekannt. Mir wurde gesagt,
dass es eher im Süden gebraut werde. Ein Weihnachtsgebräu habe ich
bei einem Samen(Lappen sagt man nicht) probiert. Es hat gut ge-
schmeckt, ist aber mit unserer Definition von Bier nicht vereinbar.
(Es war extrem süss, die Gärung hatte kaum eingesetzt. Dazu muss ich
noch sagen, dass es im Winter war...so -30Grad)
Ob man bei Sahti viel von der Hefe mitbekommt ist fraglich. Juniper
ist in dem Sinne nicht eine Zutat, sondern wurde als Läuterboden in
einem halbierten Baumstamm gelegt. Ich kenne Juniper auch nicht als
Pflanze im deutschen Sprachgebrauch, bei uns (CH) heisst er
Wachholder. Die modernen finnischen Heimbrauer werden wohl auch die
Vorteile von Edelstahl kennen und das Läutern etwas modernisiert
haben. Obwohl das Harz im Holz auch noch etwas zum Geschmack bei-
getragen haben wird. Zusammen mit dem Wachholder schmeckt das
bestimmt interessant.
Es wurden auch verschiedene Stammwürzen erreicht, indem der Haupt-
guss für die Männer, der Nachguss für Frauen und Kinder!! vergoren
wurde ;-)
Falls mal jemand weiss, wo man Sahti bekommen kann, meldet euch.


Vielleicht noch was zum Bierernst.
Das Bierbrauen war früher mal eine reine Haushaltsangelegenheit.
Wobei es damals sicher gewaltige Unterschiede in der Qualität
gab.(Scheidungsgrund?????)
Dann hat es sich zum Handwerk gewandelt, dessen Geheimnisse nicht
preisgegeben wurden.
Heute können wir von den Erkenntnissen aus der Industrie und
Forschung profitieren. Dieses Wissen steht in den Büchern und
ist auch im Internet mehr oder weniger nachzulesen.
Den Vorteil dieses Forums sehe ich darin, dass ich nicht müh-
sam alles zusammensuchen muss, sondern mit Gleichgesinnten
Erfahrungen oder Gelesenes austauschen kann.
Meistens haben Hobbybrauer ja im Sinn, ihr Bier auch zu trinken.
Darum muss nicht jeder Neuling bei Adam und Eva anfangen, bis
er sein erstes trinkbares Bier einschenken kann.
Es besteht auch keine Pflicht, Tips von erfahreneren Brauern
anzunehmen. Ich nutze es jedenfalls immer, wenn ein "Industrie"-
braumeister A.D. bei mir ein Bier trinken kommt. Es gibt meist
noch genug Raum für Verbesserungen, auch wenn das Bier keine
Infektion hat und die Karbonisierung stimmt.
Das Streben nach bestmöglichem Bier hat nichts mit industrieller
Fertigung zu tun, sondern mit Erfahrung und handwerklichem
Geschick. Wenn mir das mal abgehen sollte, werde ich mein Bier
wieder kaufen gehen.(Was ich im Restaurant ja auch mache)

Thomas